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Vertrauen in die RSV‑Prävention durch Real‑World‑Daten stärken

Geschrieben von LOGEX | February 2026

Ein Virus, das vor allem Schwächere trifft

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) zählt zu den häufigsten und zugleich am meisten unterschätzten Atemwegsinfektionen weltweit – mit besonders gravierenden Folgen für Säuglinge und ältere Erwachsene.

Nahezu jedes Kind kommt in den ersten zwei Lebensjahren mit RSV in Kontakt. Bei den meisten verläuft die Infektion mild, mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten. Bei einem Teil der Betroffenen jedoch entwickeln sich schwere Atemwegsinfektionen mit Atemnot und Hospitalisierungsbedarf. Studien zeigen, dass 80 % der wegen RSV stationär aufgenommenen Kinder Säuglinge unter sechs Monaten sind (Wildenbeest et al., 2022). Weltweit ist RSV für 3,6 Millionen Krankenhausaufenthalte und rund 100.000 Säuglingstodesfälle pro Jahr verantwortlich – die Sterblichkeit konzentriert sich dabei vor allem auf einkommensschwache Länder mit begrenztem Zugang zu Intensivmedizin (WHO, 2025).

Auch ältere Erwachsene sind erheblich gefährdet, insbesondere jene mit chronischen Vorerkrankungen wie COPD oder Herzerkrankungen (Lassen et al., 2025). Obwohl RSV bei Erwachsenen häufig milde verläuft, kann er zu ernsthaften Komplikationen und langen Krankenhausaufenthalten führen. Bei hospitalisierten Patienten ab 65 Jahren werden Mortalitätsraten zwischen 11 % und 18 % berichtet (Alfano et al., 2024).

Über die gesundheitliche Belastung hinaus: Die ökonomische Dimension

RSV ist nicht nur eine medizinische Herausforderung – er erzeugt erhebliche Kosten für alle Beteiligten im Gesundheitssystem. Diese lassen sich in drei wesentliche Bereiche gliedern:

Patientengesundheit: Schwere RSV-Verläufe können langfristige Folgen hinterlassen. Evidenz deutet darauf hin, dass eine RSV-Erkrankung das Risiko für spätere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Asthma oder eingeschränkte Lungenfunktion erhöht (Malinczak et al., 2024) – mit entsprechenden Langzeitkosten in der Patientenversorgung.

Behandlungskosten: Die direkten medizinischen Kosten durch RSV werden weltweit auf über 3 Milliarden Euro geschätzt, getrieben vor allem durch Hospitalisierungen und intensivmedizinische Versorgung (Herring et al., 2021). Jede Wintersaison benötigen tausende Säuglinge Sauerstofftherapie, Sondenernährung und in schweren Fällen mechanische Beatmung auf pädiatrischen Intensivstationen.

Sozioökonomische Auswirkungen: Erkrankte Kinder bedeuten für Eltern Arbeitsausfall und finanzielle Belastung. Bei älteren Erwachsenen führen RSV-bedingte Komplikationen häufig zu langen Erholungsphasen und dem Verlust von Selbstständigkeit – mit

Immunisierungund ihre Wirksamkeit

Nach jahrzehntelanger Forschung und mehreren Rückschlägen ist RSV-Prävention inzwischen Realität. Entscheidend war der Durchbruch bei der Stabilisierung des RSV-Fusionsproteins, der die Entwicklung neuer Impfstoffe und monoklonaler Antikörper ermöglichte, die nun Eingang in nationale Immunisierungsprogramme finden.

Die nationalen Strategien unterscheiden sich jedoch erheblich: Während das Vereinigte Königreich frühzeitig auf maternale RSV-Impfung setzte und Spanien monoklonale Antikörper für Säuglinge priorisierte, implementierte die Niederlande eine RSV-Prophylaxe erst Ende 2025. Diese Unterschiede verdeutlichen, wie Gesundheitsbehörden Krankheitslast, Impfstoffkosten und gesellschaftliche Folgekosten unterschiedlich gewichten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten handeln.

Die Gesundheitsökonomie hinter der Immunisierung

Prävention ist keine kostenfreie Maßnahme. Sowohl die Impfstoffe selbst als auch ihre Administration sind Investitionen – die, ähnlich wie direkte Behandlungskosten, überwiegend durch die öffentliche Hand finanziert werden. Damit wird die Kosten-Effektivität zum zentralen Entscheidungskriterium.

In der Praxis ist die gesundheitsökonomische Bewertung komplex. Gesundheitsbehörden orientieren sich an definierten Schwellenwerten auf Basis von qualitätskorrigierten Lebensjahren (QALYs). In Deutschland und den Niederlanden liegt dieser Schwellenwert für präventive Maßnahmen bei 20.000 Euro pro QALY, im Vereinigten Königreich zwischen 23.000 und 35.000 Euro.

Doch die Entscheidungsfindung geht über reine Zahlen hinaus. Budgetäre Rahmenbedingungen, Impfskepsis in der Bevölkerung sowie Diskrepanzen zwischen klinischen Leitlinien und Health-Technology-Assessments erhöhen die Komplexität zusätzlich. Für Medizincontroller und Krankenhausmanager bedeutet das: Entscheidungen über Präventionsprogramme erfordern eine solide Datenbasis – keine Annahmen.

Real-World-Evidenz als Grundlage belastbarer Entscheidungen

Genau hier setzen Real-World-Evidence-Projekte (RWE) an. Sie liefern Daten aus dem klinischen Alltag und ermöglichen es Entscheidungsträgern zu beurteilen, ob Immunisierungsprogramme die erwarteten gesundheitlichen und ökonomischen Effekte tatsächlich erzielen.

RWE beantwortet praxisrelevante Fragen, die für das Krankenhausmanagement von unmittelbarer Bedeutung sind:

  • Wie schneiden unterschiedliche Präventionsstrategien im Ländervergleich ab?
  • Welchen konkreten Einfluss haben Immunisierungsprogramme auf Hospitalisierungsraten und Behandlungskosten?
  • Wie beeinflussen saisonale Muster und Bevölkerungsstrukturen die Versorgungsnachfrage?

Ohne RWE riskieren Entscheidungen, auf Modellierungsannahmen zu basieren, die die Realität verzerren. Mit RWE können Krankenhäuser und Kostenträger fundierte Abwägungen zwischen Public-Health-Nutzen und wirtschaftlicher Tragfähigkeit treffen.

Impact messen: Was wir wissen, und was noch fehlt

Forschende und Gesundheitsbehörden haben bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen. So zeigte etwa die REACH-Studie durch den Vergleich von Hospitalisierungsraten vor und nach Einführung von Präventionsprogrammen in Spanien und dem Vereinigten Königreich deutliche Rückgänge. Die Studie ist jedoch in ihrer Aussagekraft durch die begrenzte Teilnehmerzahl eingeschränkt. Für belastbare Schlussfolgerungen bedarf es größerer, länderübergreifender Datenpools.

Aus diesem Grund haben wir das RTI Observatory entwickelt: eine Plattform, die Real-World-Daten zu Atemwegsinfektionen – einschließlich RSV-bedingter Erkrankungen – aus mehreren europäischen Kliniken bündelt. Durch die länderübergreifende Analyse ermöglicht das RTI Observatory evidenzbasierte Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Behandlungs- und Präventionsstrategien – und schafft damit die Grundlage, auf der moderne Gesundheitssysteme ihre Entscheidungen treffen sollten.