Deutscher Krankenhaus Controllertag 2026: Warum integrierte Steuerungsfähigkeit jetzt entscheidend wird

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von LOGEX
2 Min. Lesezeit
April 2026
Deutscher Krankenhaus Controllertag 2026: Warum integrierte Steuerungsfähigkeit jetzt entscheidend wird
5:35

Ambulantisierung, Hybrid-DRGs und neue Leistungslogiken verändern die wirtschaftliche Steuerung von Krankenhäusern grundlegend. Auf dem Deutschen Krankenhaus Controllertag 2026 wurde deutlich, warum klassische Auswertungen dafür nicht mehr ausreichen – und worauf es jetzt wirklich ankommt.

Wenn Steuerungsentscheidungen unter immer größerem Druck stehen
Krankenhäuser stehen aktuell vor einer Vielzahl paralleler Herausforderungen: steigende Kosten, Fachkräftemangel, rückläufige Fallzahlen sowie grundlegende Veränderungen durch Krankenhausreform, Leistungsgruppen und Hybrid-DRGs. Für Controlling und Management bedeutet das vor allem eines: Steuerungsrelevante Entscheidungen müssen immer schneller und unter größerer Unsicherheit getroffen werden.
Beim Deutschen Krankenhaus Controllertag 2026 in Potsdam wurde intensiv darüber diskutiert, wie Krankenhäuser unter diesen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben können – und welche Rolle transparente, integrierte Analysen dabei spielen.

Ambulantisierung und Hybrid-DRGs:
wirtschaftliche Auswirkungen realistisch bewerten

Im Speakerslot „Ambulantisierung und Hybrid-DRGs – was jetzt zu tun ist" zeigte Mark Zluhan, dass Ambulantisierung kein rein medizinisches oder politisches Thema ist, sondern erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht.
Ein wachsender Anteil bislang stationärer Leistungen weist ambulantes Potenzial auf und wird im Rahmen hybrider Vergütungslogiken in der Regel geringer vergütet. Hybrid-DRGs führen in vielen Fällen zu Erlösen unterhalb bisheriger stationärer Vergütungsniveaus – bei zugleich hoher, teils unveränderter Prozesskomplexität. 
Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob Ambulantisierung kommt, sondern wie ihre Auswirkungen auf Erlöse, Kosten und Prozesse aktiv gesteuert werden können.

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Mark Zluhan / LOGEX Team
Mark Zluhan / LOGEX Team


Leistungsgruppen, Erlöslogik und Produktivität zusammen denken
Zusätzlich verändern die mit dem KHVVG eingeführten Leistungsgruppen – aufbauend auf dem nordrhein-westfälischen Modell mit 60 Leistungsgruppen zuzüglich der Leistungsgruppe „Spezielle Traumatologie" – die strategische Ausrichtung vieler Häuser grundlegend. Entscheidungen über Leistungsportfolios, Schwerpunktsetzungen oder Kooperationen lassen sich jedoch nicht isoliert treffen. Sie beeinflussen Fallzahlen, Erlöse, Personalbedarfe und Prozesskosten gleichermaßen – und sind unmittelbar mit der Vorhaltefinanzierung verknüpft, deren Höhe von der Zuweisung und dem Nachweis der jeweiligen Qualitätskriterien abhängt.

Wichtig für die Steuerungsplanung: Die Jahre 2026 und 2027 sind gemäß KHAG als budgetneutrale Phase konzipiert. Die Konvergenzphase folgt 2028 und 2029, die volle Finanzwirksamkeit der Vorhaltevergütung tritt erst ab 2030 ein. Die finanziellen Auswirkungen entfalten sich damit schrittweise – ein Umstand, der bei Simulationen und Mehrjahresplanungen zwingend berücksichtigt werden muss. Zudem gilt: Da das InEK die Vorhaltevolumina ausschließlich auf Basis stationärer Fallzahlen berechnet, führt jede Verlagerung von Leistungen in Hybrid-DRG-Strukturen zu einer rechnerischen Reduktion des Vorhaltevolumens – bei gleichbleibend hohen Fixkosten. Ambulantisierung und Vorhaltefinanzierung stehen damit in einer direkten Wechselwirkung, die im Controlling abgebildet werden muss.

Deutlich wurde auf dem Controllertag: Steuerungsfähigkeit entsteht nur dort, wo Erlös-, Kosten-, Prozess- und Leistungsdaten gemeinsam betrachtet werden. Einzelne Reports oder isolierte Kennzahlen reichen nicht mehr aus, um die wirtschaftlichen Effekte realistisch abzubilden.

Warum klassische Auswertungen an ihre Grenzen stoßen
Viele Krankenhäuser verfügen über umfangreiche Datenbestände. Dennoch fällt es schwer, aus diesen Daten klare Handlungsimpulse abzuleiten – insbesondere dann, wenn ambulante und stationäre Strukturen zusammenwirken und neue Vergütungslogiken greifen.

Gefragt sind heute Analysen, die

  • ambulante und stationäre Leistungen gemeinsam betrachten,

  • wirtschaftliche Effekte von Hybrid-DRGs – einschließlich des Wegfalls von Zusatzentgelten – transparent machen,

  • Auswirkungen von Leistungsverlagerungen auf das Vorhaltevolumen simulierbar machen,

  • die Konsequenzen der Leistungsgruppenzuweisung auf Vorhaltevergütung und Erlösstruktur abbilden und

  • Entscheidern eine belastbare Grundlage für strategische Weichenstellungen liefern.

Fazit: Steuerungsfähigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor
Der Deutsche Krankenhaus Controllertag 2026 hat klar gezeigt: Die Anforderungen an Controlling und Management verändern sich grundlegend. Zukunftsfähig sind diejenigen Krankenhäuser, die komplexe Zusammenhänge verstehen, wirtschaftliche Risiken frühzeitig erkennen und fundierte Entscheidungen treffen können.

Integrierte, datenbasierte Steuerungsansätze werden damit zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor – gerade in Zeiten von Reformdruck, knappen Ressourcen und wachsender Unsicherheit. 

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