Europas neue RSV-Impfinitiative: Wirkung mithilfe von Real-World Evidence messen

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von LOGEX
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September 2026

Während sich Europa auf eine weitere Saison respiratorischer Infektionen vorbereitet, stehen den Gesundheitssystemen mehr Präventionsmöglichkeiten als je zuvor zur Verfügung. Zu den wichtigsten aktuellen Entwicklungen zählt die gemeinsame Beschaffungsvereinbarung der Europäischen Kommission für RSV-Impfstoffe. Sie soll teilnehmenden Ländern dabei helfen, den Schutz der Bevölkerung in den kommenden Wintersaisons zu stärken. Der vierjährige Rahmenvertrag ermöglicht den beteiligten Ländern den Zugang zu bis zu 24 Millionen Impfstoffdosen und erlaubt es ihnen, ausschließlich die Mengen zu beziehen, die sie tatsächlich benötigen. Ziel der Initiative ist es, die Verfügbarkeit von Impfstoffen für vulnerable Bevölkerungsgruppen zu verbessern, die Vorbereitung auf die Wintersaison zu stärken und den Druck auf Gesundheitssysteme während saisonaler Spitzenzeiten respiratorischer Infektionen zu verringern.

Die zunehmende Belastung durch RSV in Europa

Jedes Jahr trägt das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) erheblich zur Krankheitslast respiratorischer Infektionen in Europa bei und belastet damit Patienten, Familien und Gesundheitssysteme gleichermaßen. Die Auswirkungen sind besonders an den beiden Enden des Altersspektrums sichtbar. In jeder Saison respiratorischer Infektionen wird RSV mit rund 250.000 Krankenhausaufenthalten von Kindern unter fünf Jahren in Europa in Verbindung gebracht (Del Riccio et al., 2023). Bei Erwachsenen treten in der Europäischen Union jährlich mehr als 158.000 RSV-bedingte Krankenhausaufenthalte auf, von denen 92 % Menschen im Alter von 65 Jahren und älter betreffen (Osei-Yeboah et al., 2023).

Ein Krankenhausaufenthalt aufgrund einer RSV-Infektion kann erhebliche Auswirkungen haben, insbesondere für Säuglinge, ältere Erwachsene und ihre Familien. Neben der körperlichen und emotionalen Belastung für die Betroffenen verursachen diese Krankenhausaufenthalte erhebliche Kosten für die Gesundheitssysteme. In Frankreich sind RSV-bedingte Krankenhausaufenthalte von Säuglingen unter einem Jahr mit jährlichen Kosten von über 130 Millionen Euro verbunden (EPIBREATHE Study). In Italien wird geschätzt, dass Krankenhausaufenthalte 62 % der gesamten RSV-bedingten Kosten ausmachen, was den erheblichen Druck verdeutlicht, den RSV auf die verfügbaren Gesundheitsressourcen ausübt (Economic and Clinical Burden Associated with Respiratory Syncytial Virus and Impact of Universal Immunization with Nirsevimab in Italy).

Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, warum die Prävention von RSV in ganz Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bis vor Kurzem verfügten Gesundheitssysteme nur über begrenzte Möglichkeiten, vulnerable Bevölkerungsgruppen zu schützen. Bedeutende wissenschaftliche Fortschritte in den vergangenen Jahren haben die Präventionslandschaft jedoch grundlegend verändert und den Ländern neue Möglichkeiten eröffnet, noch vor dem Auftreten saisonaler Ausbrüche zu handeln.

In Europa haben sich unterschiedliche Ansätze entwickelt. Das Vereinigte Königreich führte Impfprogramme für Schwangere ein, um Neugeborene zu schützen, während Spanien und die Niederlande Immunisierungsstrategien für Säuglinge mithilfe langwirksamer monoklonaler Antikörper implementierten. Diese Maßnahmen haben in klinischen Studien positive Ergebnisse gezeigt, und erste Real-World-Evidence-Daten aus Spanien und dem Vereinigten Königreich deuten darauf hin, dass sie RSV-bedingte Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen deutlich reduzieren können (Martyn et al., 2026). Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse hat sich bislang kein einheitliches Umsetzungsmodell in Europa etabliert.

Von nationalen Initiativen zu europäischem Handeln

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission kürzlich einen gemeinsamen Beschaffungsrahmenvertrag unterzeichnet, der teilnehmenden Ländern in den kommenden vier Jahren Zugang zu bis zu 24 Millionen RSV-Impfstoffdosen ermöglicht. Die Vereinbarung wurde auf Initiative von sechs Ländern ins Leben gerufen und soll die Vorbereitung auf zukünftige RSV-Saisons stärken. Gleichzeitig spiegelt sie die zunehmende Anerkennung von RSV als bedeutende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit in Europa wider. Darüber hinaus betonte die Europäische Kommission das Potenzial der RSV-Prävention, schwere Erkrankungen wie Bronchiolitis und Pneumonien zu reduzieren (About RSV, o. D.), Belastungsspitzen in der Gesundheitsversorgung abzumildern und den unnötigen Einsatz von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen zu verringern (Health Emergency Preparedness and Response Authority, 2026).

Die Bekanntgabe dieser Vereinbarung markiert einen wichtigen Meilenstein für die RSV-Prävention in Europa. Sie steht für einen Wandel weg von der Vorbereitung der Gesundheitssysteme auf die vorhersehbare Belastung durch RSV hin zur Verhinderung der Ausbrüche, die diese Belastung überhaupt erst verursachen. Der Zugang zu Impfstoffen ist jedoch nur der erste Schritt. Der nächste besteht darin, herauszufinden, welche Präventionsstrategien die größte Wirkung erzielen.

Über die Implementierung hinaus: die wirksamsten Strategien identifizieren

Die Ausweitung von RSV-Präventionsprogrammen bietet eine einzigartige Gelegenheit, aus Real-World-Daten des Gesundheitswesens zu lernen. Entscheidungsträger im Gesundheitswesen und politische Akteure müssen verstehen, wie diese Maßnahmen nach ihrer Einführung im Versorgungsalltag funktionieren und welche Auswirkungen sie auf Patienten sowie Gesundheitssysteme haben. Mit anderen Worten: Real-World-Evidence (RWE) kann helfen, wichtige Fragen zu beantworten, darunter:

 

  • Wie beeinflussen RSV-Immunisierungsprogramme die Zahl der Krankenhausaufnahmen im klinischen Alltag?

 

  • Welche Patientengruppen profitieren am meisten von den verschiedenen Präventionsstrategien?

 

  • Wie unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen Ländern mit unterschiedlichen Immunisierungsansätzen?

 

  • Welche Auswirkungen haben diese Programme auf die Nutzung von Gesundheitsressourcen während respiratorischer Infektionssaisons?

 

  • Werden die erwarteten klinischen und ökonomischen Vorteile tatsächlich im großen Maßstab erreicht?

Die neue Beschaffungsvereinbarung stellt einen wichtigen Fortschritt dar und unterstreicht das klare Bestreben, die Krankheitslast durch RSV in Europa zu reduzieren. Die nächste Chance besteht nun darin, ihre Wirkung zu messen, Best Practices zu identifizieren und sicherzustellen, dass Präventionsstrategien dort nachhaltige und relevante Vorteile schaffen, wo sie am meisten zählen: in der klinischen Versorgungspraxis.

Quellen

About RSV. (o. D.). Respiratory Syncytial Virus Infection (RSV). https://www.cdc.gov/rsv/about/index.html

Economic and clinical burden associated with respiratory syncytial virus and impact of universal immunization with nirsevimab in Italy. (o. D.). https://journals.aboutscience.eu/index.php/grhta/article/download/3182/3891?inline=1

Epidemiology and economic burden of hospitalizations attributable to Respiratory Syncytial Virus (RSV) infection among infants in France, 2016 to 2023 – EPIBREATHE study. (o. D.). springermedizin.de. https://www.springermedizin.de/epidemiology-and-economic-burden-of-hospitalizations-attributabl/51740434

Health Emergency Preparedness and Response Authority. (2026, 9. Juli). Commission signs joint procurement contract for vaccines to strengthen protection ahead of the 2026-2027 winter season. Public Health. https://health.ec.europa.eu/latest-updates/commission-signs-joint-procurement-contract-vaccines-strengthen-protection-ahead-2026-2027-winter-2026-07-09_en

Martyn, O., Kramer, R., Mari, K., Donkers, E., Deuring, J. J., & Faust, S. N. (2026). P-1489. Evaluating the public health impact of infant RSV prophylaxis programs in Spain and the UK: results from the ongoing REACH study. Open Forum Infectious Diseases, 13(Supplement_1). https://doi.org/10.1093/ofid/ofaf695.1673

Osei-Yeboah, R., Spreeuwenberg, P., Del Riccio, M., Fischer, T. K., Egeskov-Cavling, A. M., Bøås, H., Van Boven, M., Wang, X., Lehtonen, T., Bangert, M., Campbell, H., Paget, J., Nair, H., Campbell, H., Beutels, P., Bont, L., Pollard, A., Openshaw, P., Martinon-Torres, F., . . . Molero, E. (2023). Estimation of the number of respiratory Syncytial Virus–Associated hospitalizations in adults in the European Union. The Journal of Infectious Diseases, 228(11), 1539–1548. https://doi.org/10.1093/infdis/jiad189

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